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Spargellauf feiert zehnten Geburtstag – einige Läufer und Helfer sind von Anfang an dabei

Der Spargellauf feiert Geburtstag: Zum zehnten Mal treffen sich über 1200 Sportler im Schlossgarten, um den außergewöhnlich beliebten Lauf mitzumachen. Einige Teilnehmer sind von Anfang an dabei – und manche hat die Premiere des Spargellaufes überhaupt zum Laufsport gebracht.

Ilse Hofmann beispielsweise nahm an einem Anfängerlaufkurs bei Margareta Liebert teil. „Aus dem Kurs ist dann der Lauftreff Hasenpfad geworden. Und unser erster gemeinsamer Wettkampf war damals die Spargellaufpremiere. Inzwischen ist die Teilnahme Tradition“, erzählt die 58jährige Plankstadterin. Nach zehn Jahren Erfahrung trainiert sie nicht mehr besonders für den Spargellauf: „Ich laufe aus Freude an der Bewegung. Die Zeit ist für mich nicht wichtig. Daher bereite ich auch nicht speziell auf den Lauf vor, sondern laufe so, wie es der Körper zulässt.“

Auch Gerd Fleissig kam durch den Spargellauf erstmals zu einem Wettkampf: „Ich hatte die Information aus der Tageszeitung und war spontan begeistert. Ich war zwar Läufer, aber so richtige Wettläufe hatte ich bis dahin nicht absolviert.“

Durch den Schwetzinger Lauf motiviert steigerte er sich bis zum Halbmarathon: „Im Alter von 60 Jahren schaffte ich ihn in 2:05 Stunden und bin mächtig stolz darüber.“ Die Familie Fleissig steht oft mehrfach am Start: „In einem Jahr hatten wir den ´Drei-Generationenlauf´: mein Enkel, meine Kinder und ich.“

Carmen Philipp war schon vorher Läuferin mit Wettkampferfahrung: „Zum Spargellauf zu kommen war ja nicht schwer, wenn man mit Margareta läuft. Sie hat mich mitgezogen.“ Gemeint ist wieder Margareta Liebert, die nicht nur als Lauftrainerin, sondern vor allem auch im Organisationsteam einen wichtigen Anteil am Erfolg hat.

Carmen blickt mit Freude zurück: „Klar, der erste Lauf war schon aufregend: Wie wird es, wie ist die Strecke genau? Aber alle Läufe haben viel Spaß gemacht. Ob Regen oder Sonne.“ Sie läuft mit ihren Chefs und Kollegen als „Team Knapp Schachtel“ der Firma Kartonveredlung Knapp. „Highlight ist für mich natürlich der Zieleinlauf vor Traumkulisse Schloss und die vielen Fans, viele Schwetzinger kenne ich und höre meinen Namen.“

Ein erfahrener Läufer ist Franz-Wilhelm Coppius: „Was hat sich geändert? Ich bin älter geworden und nicht mehr so schnell unterwegs. Die Routine ist natürlich vorhanden, denn ich laufe seit fast 40 Jahren.“ Motivation ist die Freude am Laufen – und die bekommt auf der Strecke noch mal einen Schub: „Toll ist die Atmosphäre und die vielen Zuschauer, sogar an Stellen außerhalb des Schlossgartens. Dann natürlich Start und Ziel mit dem ganzen Ambiente. Kurfürstlich eben.“ Die Familie ist auch dabei: „Meine Frau feuert uns an und die Kinder laufen ja auch mit. In den ersten Jahren habe ich mir noch einen Zweikampf gegen meinen Sohn geliefert, mittlerweile läuft er die Strecke deutlich schneller.“

Ingke Greiner freute sich vor zehn Jahren: „Eine Laufveranstaltung in der eigenen Stadt, mit der Möglichkeit, einfach zum Start zu laufen!“ Die Schwetzinger Zahnärztin unterstützt den Lauf auch als großzügige Sponsorin: „Richtig toll wäre es, in Schwetzingen einmal einen Halbmarathon anzubieten, was natürlich sehr viel Arbeit wäre.“

Mit vielen Startern ist auch wieder das Schwetzinger Krankenhaus vertreten. Nachdem ihr früher bei 10km-Läufen die Endzeit wichtig war, bevorzugt die 64jährige Berta Krischan inzwischen das Laufen im Team ihres Arbeitgebers: „Die Motivation erfolgt bereits im Vorfeld im gemeinsamen Team. Für mich gilt: Der Weg ist das Ziel. Der Sieg ist bereits mit der Teilnahme sicher.“

Auch im Helferteam gibt es treue, zuverlässige Spargellauf-Fans. Karl Schneider wurde durch Erwin Hube aus dem Orgateam angeworben: „Erwin hat Helfer für den Spargellauf gesucht. Ich habe sofort zugesagt.“  Der 81jährige Schwetzinger hat seinen festen Streckenposten im Schlossgarten etwa einen Kilometer vor dem Ziel: „Was mir aber immer wieder aufgefallen ist: Es gibt Teilnehmer, die mit ihren Kräften so ziemlich am Ende sind, aber trotzdem alle das Ziel erreichen!“

Der jüngste Jubiläumshelfer ist Janis Hube. Der 23jährige kam über seinen Großvater Erwin Hube zum Spargellauf. „Ich war damals in der 7. Klasse und wir sollten für ein Schulprojekt 20 Sozialstunden ableisten. Es hat mir dann so gut gefallen, dass ich dabeigeblieben bin.“

Für die Hubes ist der Lauf ein Familienereignis: „Meine Großmutter engagiert sich beim Kaffee und Kuchenverkauf, mein Großvater und mein Vater haben am Lauf teilgenommen. Ansonsten macht mir die Arbeit immer noch großen Spaß und ich hoffe, dass ich noch lange dabeibleiben kann.“ Und Gerd Fleissig wagt eine Ansage für die Zukunft: „Mein Ziel ist es, die 25. Teilnahme zu schaffen.“

Birgit Schillinger

Lauftreffs in Schwetzingen und Umgebung

Nicht nur wer sich für den Spargellauf vorbereiten möchte, ist bei den Lauftreffs in Schwetzingen und Umgebung willkommen:

Lauftreffs

Die Powerfrau im Hintergrund: Margareta Liebert ist bei der Spargellauf-Organisation unersetzlich

Margareta Liebert

Als vor zehn Jahren der Designer Klaus-Peter Deimann in seinem kreativen Kopf die Idee eines Spargellaufes entwarf, war ihm schnell klar, dass er fachkundige Mithelfer brauchte. Recht bald nach den ersten Vorbesprechungen kam Margareta Liebert ins Team. Die Marathonläuferin hat jahrelange Wettkampf-Erfahrung. Als Seniorensportlerin ist sie schon an vielen Starts gestanden – und auf dem Treppchen gelandet. Sie bringt vor allem auch ihr unermüdliches Engagement in die Organisationsmannschaft ein. Die Stunden, die die 73jährige Pensionärin pro Woche für den Spargellauf arbeitet, sind nicht zu zählen. Das ist Ehrenamt pur. „Ohne Margareta gäbe es den Spargellauf in der Form nicht“, schätzt Deimann die Arbeit seiner Mitstreiterin.

Margareta Liebert erledigt vieles im Hintergrund, was notwendig ist, aber dann von den Teilnehmern gar nicht wahrgenommen wird. „Wahnsinn, an was man alles denken muss“, staunte Markus Feil, seit einem Jahr im Orga-Team, über die lange To-Do-Liste.

Im November beginnt für die Plankstadterin die Spenden-Akquise. Sie besucht mögliche Sponsoren, bringt freundlich den Spargellauf in Erinnerung und gewinnt dabei viele Fans dieser Veranstaltung, falls sie nicht sowieso schon „Stammkunden“ sind. Durch die großzügigen Spenden der Schwetzinger Geschäfte, Betriebe, Praxen und Kanzleien steht der Lauf finanziell auf stabilen Beinen. Nicht nur Geldspenden sammelt Liebert ein, sondern auch die Sachpreise für Siegerehrung und Tombola. In den Wochen vor dem Lauf stapeln sich die Geschenke dann in ihrem Keller.

Bis vorletztes Jahr hatte die Sportlerin, die auch den Lauftreff „Hasenpfad“ ins Leben rief, außerdem ab Januar Laufanfänger für den Fünf-Kilometer-Wettkampf fit gemacht. Ihre Kurse mit der Devise „freudbetontes Laufen“ sind legendär: Die Teilnehmer schwärmen noch Jahre später von der netten Atmosphäre und viele sind dem Laufsport treu geblieben.

Als ehemalige Büroleiterin ist sie fit in Betriebswirtschaft und Buchhaltung. So hat sie nicht nur die Kasse im Griff, sondern liefert auch alle denkbaren Daten und Statistiken, die dann für Entscheidungen im Team ausschlaggebend sind. Nach dem Lauf erledigt sie die komplette Abrechnung. Dann hat die Powerfrau ein halbes Jahr Ruhe – bis wieder die Vorbereitungen für den nächsten Lauf beginnen.

Birgit Schillinger

Wie sich die Zeiten ändern: Spargelläufe damals und heute

Staffelläufe – das waren „früher“ die Highlights des Schwetzinger Spargelfestes Anfang Juni. Wer hätte gedacht, dass schon 1927 die ersten Staffelläufe ausgetragen wurden! Damals wurden 20x100m für Erwachsene und 10x100m für Jugendliche ausgeschrieben. (Kaum ein Verein hätte heute genug Sprinter für eine solche Disziplin.) Die Stadt Schwetzingen stiftete damals ein Silberschild als Wanderpokal. Es duellierten sich in den ersten Jahren vor allem der TV Schwetzingen mit SV Schwetzingen. Doch auch die DJK und die „Oberrealschule“ mischten beim Kampf um den Pokal mit.

In den ersten beiden Jahren wurden die Staffelläufe auf den Straßen vor dem Schloss ausgetragen: Da ging es durch die Planken, Dreikönigstraße, Mannheimer Straße und Bismarckstraße. „Wegen des immer stärker werdenden Verkehrs und wegen der manche Gefahrenmomente in sich bergenden asphaltierten und gepflasterten Straßen“ (so die damalige Zeitung) wurde 1930 beschlossen, die Staffelläufe in den Schlossgarten zu verlegen. Start und Ziel war die Hirschgruppe, die Strecke verlief an den Laubengängen und Zirkelsälen vorbei. Hunderte Zuschauer säumten die Runde.

Die Hauptstaffel wurde dann auf 10x100m reduziert. Die Qualität blieb hoch: 1937 gewann der SV Schwetzingen beispielsweise mit einer Gesamtzeit, die für jeden Einzelläufer 11,9 Sekunden auf 100m bedeuteten.

Für erwachsene Langstreckenläufer gab es Startgelegenheiten über 5000m beziehungsweise für Jugendliche 2000m. Der Ansturm bei den Jugendlichen war beispielsweise 1937 so groß, dass man zwei Starts einrichten musste. Bei den Erwachsenen stellte die Zeitung fest: 5000 Meter für Aktive bestreiten nur „auserlesene Könner“ (nämlich acht Starter). Als Nebenwettbewerb hatten sich 1937 übrigens zehn Jugendmannschaften im Tauziehen gemessen! Die Siegerehrung nahm beim Heimatabend in den Zirkelsälen der Bürgermeister vor.

spargellauf juni 1937
Spargellauf Juni 1937